Die Montage entscheidet über die Lebensdauer einer Trapezblecheindeckung stärker als das Blech selbst. Als die drei kritischen Punkte gelten die Verschraubung mit Bohrschrauben und EPDM-Dichtscheibe im passenden Anzugsmoment, sauber ausgeführte Längs- und Querüberlappungen sowie ein Zuschnitt ohne Hitzeeintrag – der Winkelschleifer gilt bei beschichtetem Blech als Kunstfehler. Dieser Beitrag beschreibt die Arbeitsschritte in der Reihenfolge, in der sie auf der Baustelle anfallen.
Vor der Montage: Transport und Lagerung
Die meisten Korrosionsschäden entstehen, bevor das erste Blech auf dem Dach liegt. Beschichtete Trapezbleche werden im Paket geliefert – zwischen den Lagen steht Feuchtigkeit praktisch ohne Luftzufuhr. Genau dort bildet sich Weißrost: eine weiße, pulvrige Zinkkorrosion, die die Schutzwirkung dauerhaft schwächt und optisch nicht mehr zu beseitigen ist.
- Als besonders riskant gilt die Lagerung nass gestapelter Pakete. Feucht angelieferte Ware wird in der Praxis sofort ausgepackt, getrennt und getrocknet.
- Üblich ist eine leicht geneigte, aufgeständerte Lagerung (z. B. auf Kanthölzern), damit Wasser ablaufen kann und Luft zirkuliert.
- Eine dicht auf dem Paket liegende Plane gilt als kritisch – darunter entsteht ein Schwitzwasserklima.
- Bleche werden erfahrungsgemäß einzeln abgehoben und nicht übereinander weggezogen – Letzteres erzeugt Kratzer in der Beschichtung.
- Die Schutzfolie wird üblicherweise zügig entfernt; unter UV-Einwirkung wird sie spröde und lässt sich später nur noch in Fetzen abziehen.
Verlegerichtung und Vorbereitung
Verlegt wird gegen die Hauptwindrichtung: Die erste Bahn beginnt an der dem Wetter abgewandten Seite, jede folgende Bahn überdeckt die vorhergehende so, dass die Längsüberlappung im Windschatten liegt. Andernfalls kann Schlagregen unter die Überlappung gedrückt werden.
Vor dem Verlegen wird üblicherweise die Unterkonstruktion geprüft: Passen die Pfetten- bzw. Lattenabstände zur zulässigen Spannweite des Profils? Liegt die Fläche rechtwinklig und in einer Ebene? Ein verzogenes Auflager überträgt sich unweigerlich auf die Bleche. Die Grundlagen dazu behandelt der Beitrag zu Spannweite und Auflager. Ebenso vorab zu klären ist, ob die geplante Dachneigung überhaupt zulässig ist – siehe Mindestdachneigung.
Schrauben: Bohrschrauben mit EPDM-Dichtscheibe
Standard sind selbstbohrende Schrauben (Bohrschrauben) mit angeformter Dichtscheibe aus Stahl und einer vulkanisierten EPDM-Dichtung. EPDM ist gegenüber einfachem Gummi UV- und ozonbeständig und altert deutlich langsamer. Die Schraubenlänge richtet sich nach Profilhöhe und Auflager: Bei Befestigung im Untergurt genügen kurze Schrauben, bei Befestigung im Obergurt wird die Profilhöhe überbrückt – hier kommen Schrauben mit Abstandhülse oder entsprechend längerer Ausführung zum Einsatz.
In der Praxis relevante Punkte:
- Der Schraubenkopf wird farblich passend zur Beschichtung gewählt – die einzige „Optik-Entscheidung“ der Montage, die sich nachträglich nicht mehr korrigieren lässt.
- Gesetzt werden die Schrauben senkrecht zur Blechoberfläche. Eine schräg gesetzte Schraube drückt die Dichtscheibe einseitig und öffnet die Fuge auf der Gegenseite.
- Verbreitet ist ein Akkuschrauber mit Drehzahlregelung und Tiefenanschlag oder Kupplung; ein Schlagschrauber gilt als ungeeignet.
Das Anzugsmoment: die häufigste Fehlerquelle
Als korrekt gesetzt gilt eine EPDM-Scheibe, die gleichmäßig anliegt und leicht, aber nur leicht, über den Rand der Metallscheibe hinaus verdrängt wird. Als Faustregel gilt: Die Dichtung wird sichtbar zusammengedrückt, wölbt sich aber nicht wulstartig heraus.
- Zu fest angezogen: Die Dichtscheibe wird zerquetscht, das EPDM reißt oder wird über Gebühr vorgespannt und altert schneller. Zusätzlich beult sich das Blech um die Schraube herum ein („Krater“), was Wasser zur Schraube hinleitet statt davon weg.
- Zu locker angezogen: Die Dichtung liegt nicht flächig an, die Verbindung ist undicht und die Schraube arbeitet sich bei Temperaturwechseln locker.
Obergurt oder Untergurt – die alte Streitfrage
Beide Varianten haben ihre Berechtigung, und die Diskussion darüber ist in der Praxis nicht abschließend entschieden:
| Befestigung im Untergurt (Profiltal) | Befestigung im Obergurt (Rippe) | |
|---|---|---|
| Kraftfluss | Direkt auf das Auflager, kein Hebel | Über die Profilrippe, Hülse/Distanz nötig |
| Windsog | Sehr gute Sogsicherung | Rippe kann sich unter Sog verformen |
| Wasserführung | Durchdringung liegt im wasserführenden Bereich | Durchdringung liegt oberhalb der Wasserebene |
| Blechverformung | Blech wird flach ans Auflager gezogen | Rippe kann beim Anziehen eingedrückt werden |
| Typischer Einsatz | Dach mit geringer Neigung, Fassade, statisch tragende Schalen | Kleinere Dächer, Carports, wo Dichtigkeit priorisiert wird |
Der Kern des Konflikts: Im Untergurt ist die Verbindung statisch überlegen, aber die Bohrung liegt genau dort, wo bei starkem Regen oder Rückstau Wasser steht. Im Obergurt ist die Bohrung wasserfern, dafür sitzt die Schraube auf der weichsten Stelle des Profils und braucht eine Distanzhülse, damit die Rippe beim Anziehen nicht kollabiert. Für Dachflächen mit relevanten Windsoglasten und für tragende Anwendungen wird deshalb überwiegend im Untergurt verschraubt – mit korrekt sitzenden EPDM-Scheiben gilt die Durchdringung als dauerhaft dicht. Auf sehr flachen Dächern gilt die Wasserführung als besonders kritisch; dort kann zusätzlich Kondensat auftreten, siehe Kondenswasser unter dem Trapezblech.
Überlappungen
Längsüberlappung
Seitlich überlappen benachbarte Bahnen in der Regel um eine volle Rippe. Bei flacher Neigung, exponierter Lage oder besonders hohen Anforderungen an die Dichtigkeit wird die Längsüberlappung branchenüblich zusätzlich mit einem Dichtband versehen und mit Bohrschrauben oder Blindnieten im Abstand von etwa 30 bis 50 cm gegen Klaffen gesichert.
Querüberlappung (Stoß in Fallrichtung)
Die Querüberlappung ist neigungsabhängig – und zwar deutlich: Je flacher das Dach, desto länger fällt die Überdeckung des Stoßes aus, weil Wasser langsamer abläuft und Kapillarkräfte sowie Windsog es zurückdrücken können.
| Dachneigung | Typische Querüberlappung | Dichtband |
|---|---|---|
| ab ca. 15° | ca. 150–200 mm | empfehlenswert |
| ca. 10–15° | ca. 200–250 mm | dringend empfohlen |
| unter ca. 10° | 300 mm und mehr | zwingend, Herstellerangaben beachten |
Es handelt sich um typische Richtwerte; die verbindlichen Werte gibt stets der Profilhersteller vor und sind je nach Profilgeometrie unterschiedlich. In der Branche gilt der Grundsatz, Querstöße möglichst zu vermeiden und mit durchlaufenden Bahnen zu arbeiten, wenn Transport und Handling es zulassen.
Zuschnitt: der Winkelschleifer gilt als Kunstfehler
Der schwerwiegendste und zugleich häufigste Fehler auf der Baustelle ist der Zuschnitt mit der Trennscheibe. Gründe:
- Der Hitzeeintrag verbrennt die Zinkschicht im Bereich der Schnittkante – der kathodische Kantenschutz geht verloren, die Kante rostet an.
- Die glühenden Funken und Metallpartikel fliegen weit über die Fläche, brennen sich in die Beschichtung ein und werden dort zu Flugrostpunkten, die sich nicht mehr entfernen lassen.
- Die Schnittkante wird grob und gratig.
Als bewährt gelten stattdessen:
- Blechschere (Hand- oder Elektroblechschere) – für gerade und leicht gebogene Schnitte, kalt und sauber.
- Nibbler / Knabber – ideal für Ausschnitte, Kurven und Schnitte quer über die Rippen, ohne das Profil zu verziehen.
- Handkreissäge mit Hartmetallblatt für Dünnblech (negativer Spanwinkel, hohe Zähnezahl) – für lange gerade Schnitte, mit deutlich geringerem Hitzeeintrag als eine Trennscheibe.
- Schnittkanten werden anschließend üblicherweise mit Ausbesserungslack versiegelt.
Bohrspäne und Flugrost
Bei jeder Bohrschraube entstehen Späne. Sie bleiben auf der Fläche und in den Sicken liegen, rosten binnen weniger Tage und hinterlassen braune Punkte, die sich in die Beschichtung einfressen. In der Praxis gilt daher als eiserne Regel: Die Fläche wird am selben Tag – am besten nach jeder Bahn – mit einem weichen Besen vollständig abgekehrt. Ein Wasserstrahl hilft dabei nicht, er verteilt die Späne nur; ein Aufschieben auf den Folgetag gilt als Fehler. Über Nacht liegengebliebene Späne sind die häufigste Ursache dafür, dass ein neues Dach nach einer Saison gesprenkelt aussieht.
Typische Fehler auf einen Blick
- Zuschnitt mit dem Winkelschleifer.
- Bohrspäne nicht oder zu spät abgekehrt.
- Schrauben zu fest angezogen – EPDM zerquetscht, Blech eingekratert.
- Schrauben schräg gesetzt, Dichtscheibe liegt einseitig auf.
- Querüberlappung zu kurz für die vorhandene Dachneigung.
- Verlegung in Windrichtung statt dagegen.
- Nasse Blechpakete gestapelt gelagert – Weißrost.
- Auf den Rippen gelaufen statt in den Tälern über den Auflagern – Beulen und Trittschäden.
- Schutzfolie zu lange auf dem Blech gelassen.
- Schnittkanten nicht nachbehandelt.
Wer eine Fassade statt eines Dachs beplant, findet die Besonderheiten der Verlegerichtung und Hinterlüftung im Beitrag Trapezblech an der Fassade.
Fazit
Eine dauerhafte Trapezblecheindeckung beruht erfahrungsgemäß auf wenigen, konsequent eingehaltenen Punkten: kaltem Zuschnitt, sauber abgekehrter Fläche, senkrecht und mit gefühlvollem Anzugsmoment gesetzten Bohrschrauben, an die Dachneigung angepassten Überlappungen und einer Verlegung gegen die Hauptwindrichtung. Fast alle Schäden, die nach ein bis zwei Jahren an frisch montierten Blechen auftreten, gehen auf genau diese Punkte zurück – und nicht auf die Qualität des Blechs. Maßgeblich bleiben im Einzelfall die Verlegeanleitung und die Angaben des Profilherstellers.