Bei einem Trapezblechdach entscheidet nicht das Blech allein über die Dichtigkeit, sondern die Verbindung: Bohrschrauben mit vulkanisierter EPDM-Dichtscheibe, die jede Befestigung zu einer bewusst erzeugten Durchdringung machen. Der kritische Punkt ist dabei das Anzugsmoment — zu fest gesetzt quetscht die Dichtscheibe aus, zu locker gesetzt lässt sie Wasser durch. Zwischen diesen beiden Fehlern liegt ein schmaler Korridor, und in ihm liegt die Lebensdauer der gesamten Eindeckung.
Warum die Schraube das kleinste und zugleich sensibelste Bauteil ist
Ein Blechfeld hat rechnerisch keine Schwachstelle — die Schwachstellen entstehen dort, wo man es durchbohrt. Auf einem mittelgroßen Hallendach summieren sich schnell mehrere tausend Durchdringungen. Jede einzelne muss über Jahrzehnte Temperaturwechsel, Windsog, Schneelast und die thermische Längenänderung des Blechs mitmachen, ohne undicht zu werden. Erfahrungsgemäß gehen Undichtigkeiten an Trapezblechdächern deutlich häufiger auf fehlerhaft gesetzte Befestiger zurück als auf das Blech selbst oder auf eine unterschrittene Mindestdachneigung.
Übliche Bauart ist die selbstbohrende Schraube mit Sechskantkopf, Bund und aufvulkanisierter Dichtscheibe aus EPDM, gebettet in einer Kappe aus verzinktem Stahl oder Edelstahl. Der Bohrpunkt bestimmt, in welchen Untergrund geschraubt werden kann: feine Bohrspitzen für dünne Stahl- oder Holzunterkonstruktionen, längere und stärkere Bohrspitzen für Träger ab einigen Millimetern Blechdicke. Herstellerangaben nennen dazu regelmäßig eine maximale Klemmdicke und eine maximale Bohrleistung; wird sie überschritten, brennt die Bohrspitze aus, bevor sie den Träger durchdrungen hat.
Das Anzugsmoment: der eigentliche Knackpunkt
Die EPDM-Scheibe dichtet nicht durch Kraft, sondern durch definierte Verformung. Sie soll sich unter dem Blechteller so weit stauchen, dass sie den Bohrkanal ringförmig umschließt — und keinen Millimeter weiter. Als bewährt gilt in der Praxis das Bild, dass die Dichtscheibe unter der Kappe gerade eben leicht hervortritt, ohne über deren Rand hinauszuquellen.
Zwei Fehlerbilder dominieren:
- Zu fest angezogen: Die Scheibe wird über ihre elastische Grenze hinaus gequetscht, quillt seitlich unter der Kappe hervor und wirft Wellen. Diese Wellen bilden Kanäle, in denen Wasser kapillar zum Bohrloch wandert. Zugleich altert überdehntes EPDM schneller, wird spröde und reißt unter UV-Einstrahlung. Bei dünnen Blechen kommt hinzu, dass der Blechteller die Sicke eindrückt und eine Mulde entsteht, in der Wasser stehen bleibt — ein Effekt, der bei einer geringen Blechstärke von 0,5 mm deutlich früher auftritt als bei 0,7 mm.
- Zu locker angezogen: Die Scheibe liegt nur auf, ohne den Bohrkanal zu verschließen. Windsog und Blechbewegung lockern die Verbindung weiter, die Schraube arbeitet sich frei, und der Bohrkanal wird zum Wasserweg. Häufig zeigt sich das erst nach mehreren Jahren an Rostfahnen unterhalb der Befestigung.
Weil das richtige Maß von Hand kaum reproduzierbar ist, sehen Herstellerangaben typischerweise Schrauber mit Tiefenanschlag oder Drehmomentkupplung vor, deren Drehzahl im Bereich einiger hundert bis rund 2.000 Umdrehungen pro Minute liegt. Schlagschrauber gelten in diesem Zusammenhang als ungeeignet, da sie das Anzugsmoment nicht kontrolliert begrenzen. Maßgeblich ist in jedem Fall das Datenblatt des Schraubenherstellers.
Obergurt oder Untergurt: der Zielkonflikt
Die Frage, ob im Hoch- oder im Tiefpunkt des Profils befestigt wird, ist der klassische Zielkonflikt der Trapezblechmontage — und sie hat keine allgemeingültige Antwort, sondern eine, die vom Nachweis abhängt.
| Kriterium | Befestigung im Obergurt (Hochsicke) | Befestigung im Untergurt (Tiefsicke) |
| Dichtigkeit | Durchdringung liegt oberhalb der wasserführenden Ebene — als sehr sicher geltend | Durchdringung liegt im Wasserlauf — auf intakte Dichtscheibe angewiesen |
| Tragfähigkeit / Anbindung | Blech liegt nicht direkt am Träger an; Kräfte werden über den Steg eingeleitet, Gefahr des Einbeulens des Obergurts | Blech liegt satt auf dem Träger auf; direkte, steifere Krafteinleitung |
| Windsogsicherung | erfordert regelmäßig größere Schraubenzahl oder Lastverteiler (Kalotten) | gilt bei Sogbeanspruchung als die tragfähigere Variante |
| Typische Anwendung | flach geneigte Dächer, hohe Dichtigkeitsanforderung | steilere Dächer, Fassade, Konstruktionen mit hoher Sogbelastung |
In der Praxis ist die Obergurtbefestigung auf Dächern verbreitet, weil sie die Durchdringung aus dem Wasserweg nimmt; die Kraftübertragung wird dann häufig über Kalotten oder Sattelunterlagen verbessert, die den Hochsickenquerschnitt gegen Eindrücken stützen. Die Untergurtbefestigung ist an der Fassade und bei sogbeanspruchten Dächern üblich, weil dort die steife Anbindung an den Träger den Ausschlag gibt. Welche Variante zulässig ist, folgt nicht der Gewohnheit, sondern der Bemessung: Für tragende Konstruktionen ist ein statischer Nachweis erforderlich, in den Profilgeometrie, Spannweite und Auflagersituation sowie die Lage des Blechs ebenso eingehen wie die Schneelast und die Windzone.
Materialpaarung und Kontaktkorrosion
Schraube und Blech bilden ein elektrochemisches Paar. Liegen zwei Metalle mit unterschiedlichem Potenzial in Gegenwart von Feuchtigkeit aneinander, wird das unedlere Metall bevorzugt abgetragen — Kontaktkorrosion. Bei Trapezblechen betrifft das vor allem die Kombination aus nichtrostender Schraube und verzinktem oder Aluminium-Zink-beschichtetem Blech.
Praktisch entschärft sich das Problem meist von selbst, weil die Dichtscheibe und die Beschichtung den direkten metallischen Kontakt zwischen Schraubenkopf und Blechoberfläche unterbinden. Kritisch wird es dort, wo die Beschichtung verletzt ist, wo Bohrspäne auf dem Blech liegen bleiben und rosten, oder wo dauerhaft Feuchtigkeit im Fugenspalt steht. Bohrspäne auf einem beschichteten Dach gelten als typische Ursache für punktförmige Rostnester und stehen in einer Reihe mit den Schäden, die auch beim Schneiden mit dem Winkelschleifer entstehen.
| Schraubenwerkstoff | Typischer Einsatzbereich | Anmerkung |
| verzinkter Kohlenstoffstahl | Innenräume, gering belastete Standorte (etwa C1–C2) | günstige Standardlösung, begrenzte Korrosionsreserve |
| Kohlenstoffstahl mit Beschichtung / Duplexsystem | Außenanwendungen mittlerer Belastung | Schutzwirkung endet dort, wo die Schicht verletzt wird |
| nichtrostender Stahl (austenitisch, A2) | übliche Außenanwendungen bis etwa C3 | weit verbreiteter Standard im Dach- und Fassadenbau |
| nichtrostender Stahl höherer Legierung (A4) | Küstennähe, Industrie, Ställe, Schwimmbäder (C4–C5) | bei aggressiven Atmosphären gängige Wahl |
Welche Werkstoffklasse angemessen ist, ergibt sich aus der Einordnung des Standorts in die Korrosivitätskategorien C1 bis C5. Erfahrungsgemäß hat es wenig Sinn, ein hochwertig beschichtetes Blech mit Befestigern zu kombinieren, deren Korrosionsbeständigkeit deutlich darunter liegt: Die Schraube wird dann zum Schwachpunkt und bestimmt das Wartungsintervall des gesamten Dachs. In Ställen, wo Ammoniak jede Beschichtung angreift, wird dieser Punkt besonders deutlich — die Zusammenhänge sind in der Stall- und Landwirtschaft besonders gut dokumentiert.
Schraubenzahl, Randbereiche und Verdichtung
Die Zahl der Befestiger ist keine Frage des Gefühls, sondern des Windsognachweises. Nach den einschlägigen Regeln werden Dachflächen in Innen-, Rand- und Eckbereiche eingeteilt; in Rand- und insbesondere in Eckbereichen treten deutlich höhere Sogspitzen auf als in der Feldmitte. Entsprechend wird die Befestigung dort verdichtet — häufig auf jede Sicke, während im Feld eine Befestigung in jeder zweiten oder dritten Sicke genügen kann. Die konkreten Werte liefern die Bemessung und die Zulassung des Profils, nicht eine allgemeine Faustregel; Hintergründe dazu finden sich unter Schnee- und Windlast.
Zusätzlich zu den Befestigern an der Unterkonstruktion existieren Nähschrauben oder Blindniete in den Längsstößen der Bleche, typischerweise in Abständen von einigen Dezimetern. Sie tragen keine nennenswerten Lasten aus der Unterkonstruktion ab, verhindern aber, dass sich die Blechränder unter Wind aufstellen und Wasser eintreiben lassen. Bei sehr flachen Dächern werden die Längsstöße zusätzlich mit Dichtband versehen.
Farbabstimmung und Optik
Schraubenköpfe werden üblicherweise mit einer Kunststoffkappe oder einer Lackierung im Farbton des Blechs angeboten. Die Abstimmung erfolgt über den RAL-Farbton des Blechs; in der Praxis ist die Deckung nie vollkommen, weil Schraubenlack und Blechbeschichtung unterschiedliche Bindemittel und Glanzgrade haben und unterschiedlich schnell ausbleichen. Bei matten Oberflächen fällt der Unterschied nach einigen Jahren erfahrungsgemäß stärker auf als bei glänzenden. Wo die Optik im Vordergrund steht — etwa an Sichtflächen oder an einem Sichtschutzzaun —, wird deshalb gelegentlich mit verdeckter Befestigung oder mit bewusst kontrastierenden Befestigern gearbeitet, statt eine Farbgleichheit anzustreben, die sich mit der Zeit ohnehin verliert.
Fazit
Die Bohrschraube mit EPDM-Dichtscheibe ist das billigste Bauteil einer Trapezblechkonstruktion und zugleich dasjenige, an dem die meisten Schäden beginnen. Entscheidend ist weniger die Auswahl als das Setzen: ein Anzugsmoment, bei dem die Dichtscheibe definiert verformt und nicht gequetscht wird, ein Bohrpunkt, der zum Untergrund passt, und ein Schraubenwerkstoff, der zur Korrosivität des Standorts und zur Beschichtung des Blechs passt. Ob im Ober- oder Untergurt befestigt wird, ist ein Abwägen zwischen Dichtigkeit und Tragfähigkeit, das der statische Nachweis und die Herstellerangaben entscheiden — nicht die Gewohnheit. Wer die Zusammenhänge der Trapezblech-Montage insgesamt betrachtet, erkennt schnell, dass Blech, Beschichtung und Befestiger nur als abgestimmtes System die Lebensdauer erreichen, die auf dem Datenblatt steht.