Die Bezeichnung T-35 steht für ein Trapezblech mit einer Rippenhöhe von etwa 35 Millimetern. Das Profil zählt damit bereits zu den Hoch- beziehungsweise Tragprofilen: Es ist deutlich steifer als die üblichen Wand- und Mittelprofile und überbrückt größere Abstände zwischen den Auflagern. Eingesetzt wird es vor allem dort, wo die Unterkonstruktion bewusst schlank gehalten werden soll – auf Hallendächern, Carports, Lagergebäuden und überall dort, wo Pfetten in größeren Abständen liegen.

Was bedeutet die Zahl im Profilnamen?

Die Zahl hinter dem T bezeichnet in der Praxis die Höhe der Trapezrippe in Millimetern, gemessen von der Unterseite des unteren Gurtes bis zur Oberkante der Sicke. T-18 hat also rund 18 mm, T-35 rund 35 mm, T-55 rund 55 mm Profilhöhe. Diese Höhe ist die wichtigste Kenngröße eines Trapezblechs, denn sie bestimmt maßgeblich das Widerstandsmoment und damit die Tragfähigkeit des Querschnitts.

Nicht genormt ist dagegen alles Übrige: Rippenabstand, Gurtbreiten, Nutzbreite, die Ausbildung der Sicken und eventuelle Zusatzsicken im Untergurt unterscheiden sich je nach Hersteller. Zwei Bleche, die beide „T-35″ heißen, können sich in ihrer statischen Leistung durchaus unterscheiden. Für die Bemessung ist deshalb immer die jeweilige Herstellertabelle beziehungsweise ein statischer Nachweis maßgeblich – nie der Profilname allein.

Warum ein hohes Profil weiter trägt

Ein Trapezblech wirkt statisch wie eine Reihe schmaler Träger. Die Tragfähigkeit eines Biegeträgers wächst nicht linear, sondern überproportional mit seiner Höhe – das Widerstandsmoment steigt näherungsweise quadratisch. Deshalb bringt eine höhere Rippe erheblich mehr als eine größere Blechdicke: Eine Verdopplung der Profilhöhe bringt erfahrungsgemäß mehr Spannweite als eine Verdopplung der Blechdicke – bei der zugleich doppelt so viel Material bezahlt und getragen wird.

Praktisch heißt das: Während niedrige Profile bei einer Blechstärke von 0,5 mm oft nur Auflagerabstände im Bereich weniger Zehntelmeter bis knapp über einen Meter zulassen, sind bei T-35 – je nach Blechstärke, Lastannahme und Anzahl der Felder – Spannweiten im Bereich mehrerer Meter üblich. Genaue Werte liefern ausschließlich die Belastungstabellen des jeweiligen Herstellers. Welche Faktoren dabei hineinspielen, ist im Beitrag zu Spannweite und Auflager ausführlich beschrieben.

Typische Einsatzbereiche für T-35

  • Hallen- und Industriedächer: Der klassische Anwendungsfall. Wenige Pfetten, große Felder, hohe Schnee- und Windlasten – hier spielt das Hochprofil seine Stärke aus.
  • Landwirtschaftliche Gebäude: Maschinenhallen, Lagerschuppen, Unterstände mit weit gespannten Binderabständen.
  • Carports und Überdachungen: Wenn eine stützenfreie Fläche ohne engmaschige Unterkonstruktion überdacht werden soll.
  • Sanierungen: Wo eine vorhandene, weitmaschige Unterkonstruktion übernommen werden muss, weil zusätzliche Pfetten baulich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll sind.
  • Fassaden mit großen Stützabständen: Seltener, aber möglich – etwa bei Hallenwänden ohne dichte Wandriegel.

Wann T-35 überdimensioniert ist

Ein Hochprofil ist kein Selbstzweck. Es ist teurer, schwerer, sperriger im Transport und optisch markanter als flachere Profile. Auf einem Gartenhaus, einem Gerätehaus oder einer kleinen Terrassenüberdachung mit ohnehin dicht liegender Lattung bringt T-35 keinen Vorteil – üblich ist dort ein Mittelprofil, etwa das vielseitige T-18. Auch an der Fassade wirkt eine 35 mm hohe Rippe schnell wuchtig; für Verkleidungen werden meist flachere Profile bevorzugt.

Umgekehrt gilt: Reicht T-35 rechnerisch nicht aus – etwa bei sehr großen Feldweiten oder hohen Schneelasten –, wird in der Praxis auf das T-55 oder ein noch höheres Tragprofil ausgewichen und nicht auf immer dickere Bleche bei gleicher Profilhöhe.

Profilhöhe und Blechstärke sinnvoll kombinieren

Trapezbleche werden typischerweise in Stärken von 0,4 bis 1,0 mm gefertigt. Bei einem Tragprofil wie T-35 sind die dünnsten Varianten in der Praxis kaum anzutreffen: Ein hohes Profil wird der Spannweite wegen gewählt, und die stellt sich erst mit einer dazu passenden Blechdicke ein. Entsprechend werden Hochprofile deshalb überwiegend ab etwa 0,5 mm, bei höheren Lasten ab 0,6 bis 0,75 mm eingesetzt; 0,4 mm bleibt eher Wand-, Zaun- und Verkleidungsanwendungen vorbehalten. Eine ausführliche Gegenüberstellung findet sich im Beitrag zur Wahl der Blechstärke.

Merkmal Niedrigprofil (ca. 6–14 mm) Mittelprofil T-18 (ca. 18 mm) Hochprofil T-35 (ca. 35 mm)
Steifigkeit gering mittel hoch
Typische Spannweite kurz, dichte Lattung nötig mittel groß, wenige Pfetten
Übliche Blechstärke 0,4–0,5 mm 0,4–0,6 mm 0,5–0,75 mm (und darüber)
Hauptanwendung Fassade, Verkleidung, Zaun Dach und Wand Hallen- und Industriedach
Wasserführung begrenzt gut sehr gut, hohe Sicken
Gewicht/Preis je m² niedrig mittel höher

Positiv- und Negativlage

Trapezbleche lassen sich in zwei Orientierungen verlegen. In der Positivlage zeigen die breiten Gurte nach oben, die schmalen nach unten – das Blech liegt mit den schmalen Auflagerflächen auf der Unterkonstruktion. Diese Lage ist die statisch stärkere und deshalb die Regel bei Dächern mit Tragprofilen wie T-35: Der breite Obergurt wird auf Druck beansprucht und knickt weniger leicht aus.

In der Negativlage wird das Blech gewendet, die breiten Gurte liegen unten auf. Das ergibt eine großzügigere Auflagerfläche, eine ruhigere Untersicht und wird gerne bei Fassaden, Decken- und Sichtflächen genutzt – statisch ist die Negativlage jedoch schwächer, weil der schmale Gurt in die Druckzone gerät. Die Belastungstabellen der Hersteller weisen beide Fälle getrennt aus; für einen Einbau in Negativlage sind entsprechend die dort ausgewiesenen Negativwerte maßgeblich und nicht die günstigeren Positivwerte.

Ein weiterer Punkt: In Positivlage steht das Wasser in den unteren, schmalen Gurten. Die hohen Rippen des T-35 sorgen dafür, dass selbst bei stärkerem Regen und geringer Neigung das Wasser sicher abgeführt wird – ein Grund, warum Hochprofile mit vergleichsweise flachen Dachneigungen auskommen. Welche Grenzwerte hier gelten, ist im Beitrag zur Mindestdachneigung erläutert.

Was bei T-35 zusätzlich zu beachten ist

Hohe Profile bedeuten hohe Sicken – und damit größere Öffnungen an Traufe, First und Ortgang. Geschlossen werden diese üblicherweise mit Profilfüllern beziehungsweise Dichtprofilen; bleiben sie offen, ziehen Wind, Flugschnee, Laub und Vögel ein. Auch die Befestigung folgt eigenen Regeln: Bei Tragprofilen wird in der Regel im Untergurt (Tal) geschraubt, damit die Kraft direkt in das Auflager eingeleitet wird, während bei Wandprofilen häufig im Obergurt befestigt wird. Details dazu im Beitrag zur Montage von Trapezblechen.

Ein Dauerthema ist schließlich das Kondensat: Ein ungedämmtes Metalldach über einem beheizten oder feuchten Raum schwitzt an der Unterseite. Antikondensvlies oder eine bauphysikalisch durchdachte Dachkonstruktion sind bei T-35 genauso Thema wie bei jedem anderen Profil.

Fazit

T-35 ist das Einstiegsprofil in die Klasse der Tragprofile: rund 35 mm Rippenhöhe, deutlich mehr Steifigkeit als Wand- und Mittelprofile, große Spannweiten bei weit auseinanderliegenden Pfetten und eine sehr sichere Wasserführung. Für Hallen, Industrie- und Wirtschaftsgebäude sowie für Sanierungen mit vorhandener, weitmaschiger Unterkonstruktion gilt es als die naheliegende Wahl. Auf kleinen Nebengebäuden mit dichter Lattung ist es dagegen überdimensioniert. Entscheidend bleibt in jedem Fall der statische Nachweis mit den Belastungstabellen des jeweiligen Herstellers – unter Berücksichtigung von Blechstärke, Anzahl der Felder und der gewählten Positiv- oder Negativlage.